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Wednesday, April 8, 2020

WASP-12b: Keine runde Sache

1.Dezember, WASP-12b

Noch vor 30 Jahren galt die Frage nach Planeten, die andere Sterne umkreisen als philosophisch, fast esoterisch. Man hielt unser Sonnensystem für etwas Besonderes, für den einzigen Ort im ganzen Universum, an dem es Planeten, flüssiges Wasser und Leben gibt. Doch seitdem 1992 die ersten Exoplaneten entdeckt wurden, haben wir Tausende weitere in der gesamten Galaxis gefunden.

Und heute wissen wir: Planeten sind überall. Einige davon sind verrückter und seltsamer, als man es sich je erträumen ließ: Riesige Gesteinsplaneten von hunderte Kilometer tiefen Ozeanen bedeckt, Gasplaneten mit vielen Jupitermassen, die einen heißen Schweif aus Gasen hinter sich herziehen, Planeten um Pulsare und Neutronensterne, einsame Wanderer, die ohne Stern durch die Galaxis ziehen und vieles mehr haben Wissenschaftler entdeckt. Doch in Wahrheit sind sie auf der Suche nach dem heiligen Gral der Astronomie: Einer zweiten Erde. Zur Weihnachtszeit habe ich einen Adventskalender erstellt, der 24 dieser fremden Welten vorstellt. Viel Spaß und eine besinnliche Zeit.

Name: WASP-12b

Zentralstern: WASP-12

Entfernung zur Erde: 870 Lichtjahre

Masse: 1,4 Jupitermassen

Orbit um Zentralstern: 1,1 Erdtage

Temperatur: ca. 2500 K (2225°C)

Besonderheiten: Gasschweif, nähert sich seinem Stern, extrem dunkel, Kern aus Diamant

Ein Schweif aus Gasen

Planeten sind in der Regel rund, denn ab einer gewissen Größe werden sie quasi in die Kugelform gequetscht, man spricht vom hydrostatischen Gleichgewicht. Und auch unser heutiger Planet, WASP-12b, entstand als runder Planet. Doch er umkreist seinen Stern in extremer Nähe, in gerade einmal 3,4 Millionen Kilometern Entfernung, das ist 44-mal näher als die Erde die Sonne umkreist. Für einen Umlauf um seinen Stern benötigt WASP-12b gerade einmal 26 Stunden. Dies führt dazu, dass WASP-12b enormen Gezeitenkräften seines Stern unterliegt, seine eine Seite wird also deutlich stärker angezogen als seine andere Seite. Das sorgt dafür, dass der Stern den Planeten regelrecht aussaugt, jede Sekunde verliert er große Mengen an Gas. Dieses Gas zieht er in einem großen Schweif, der den Stern als Scheibe umgibt, hinter sich her.

In der Todesspirale

WASP-12b gehört einer Planetenklasse an, die es in unserem Sonnensystem nicht gibt, aber die im Universum scheinbar die Normalität ist, er ist ein sogenannter Hot Jupiter. Dies sind Gasplaneten wie Jupiter und Saturn, die ihren Stern allerdings nicht weit außen umkreisen, sondern extrem nahe, sodass sie erhitzt werden. Lange hielt man solche Planeten für unmöglich, doch tatsächlich scheinen die “normalen” Gasplaneten fast der seltenere Fall zu sein. Laut dem gängigen Modell der Planetenbildung können Gasplaneten sich allerdings nur in großer Entfernung zum Stern bilden, da die Gase in der Nähe des Sterns von ihm angesaugt werden. Das lässt nur den Schluss zu, dass WASP-12b durch sein Planetensystem gewandert ist.

Der Gasschweif, den er hinter sich herzieht, ist also eher eine Art Spirale, auf der er seinem Stern immer näher kommt, wie das Hubble-Weltraumteleskop herausfand. Und tatsächlich ließ sich messen, dass sich die Umlaufzeit seit der Entdeckung des Planeten bereits um über 29 Millisekunden verkürzt hat. Das ist nicht viel, aber es häuft sich über die Jahrtausende an. Wenn WASP-12b sich seinem Stern also auch heute noch nähert, bedeutet das, dass er eines Tages von ihm verschlungen werden wird, nämlich in etwa 10 Millionen Jahren – ein astronomischer Wimpernschlag.

Diamantkern und schwarze Färbung

Bevor es soweit ist, sollten wir WASP-12b allerdings noch gründlich erforschen, denn er ist ein wirklich spannender Himmelskörper. Zum Beispiel besteht er zu einem großen Teil aus Kohlenstoff, Hubble fand ebenfalls heraus, dass er zu den dunkelsten Himmelskörpern gehört, die je entdeckt wurden, er reflektiert weniger Licht als Asphalt. Doch das wirklich interessante liegt in seinem Innern, denn der Planet hat etwa 1,4 Jupitermassen, sodass dort ein enormer Druck herrscht. Der Druck ist vermutlich groß genug, um den Kohlenstoff zu Diamant zu komprimieren. Die Folge: Eine Kugel aus Diamant im Innern von WASP-12b, größer als die Erde.

Das wirkt extrem fremdartig, doch WASP-12b ist nicht alleine, zahlreicher Hot Jupiter wurden bereits entdeckt. Man möge mich für verrückt halten, aber ich würde einfache Formen von Leben in der Hülle von Gasplaneten nicht ausschließen. Ich stelle mir winzige Mikroben vor, die in der Atmosphäre schweben oder vielleicht auch größere ballonartige Wesen, die sich von der Energie von Blitzen ernähren. Das ist natürlich sehr spekulativ, aber letztlich gibt es auch in der Erdatmosphäre frei schwebende Mikroben und in den oberen Atmosphärenschichten von Gasplaneten könnten durchaus habitable Bedingungen herrschen, es gibt Nährstoffe, Kohlenstoff und in der Atmosphäre von WASP-12b wurden sogar Wasserwolken entdeckt. Vielleicht klingt es unmöglich, doch wenn uns die Suche nach Exoplaneten eines gelehrt hat, dann ist es, dass es dort draußen Dinge gibt, die wir uns vermutlich jetzt noch nicht einmal vorstellen können.

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1 Comment

  • Tine
    Tine

    Eine tolle Idee! Danke, Jason und auch Dir eine schöne Adventszeit!

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