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Saturday, June 6, 2020

Abschaffung der Entfernungspauschale für Autofahrer!

Als Wissenschaftler ist man versucht, stets nüchtern und sachlich zu bleiben und die Situation in Ruhe zu analysieren. Als ich vergangene Woche erstmals das “Klimapaket” der Bundesregierung sah, entledigte ich mich dieser Vorschriften mal kurz. Für einen CO2-Preis von zehn Euro fehlen mir einfach nur die Worte. Hier soll es aber um einen anderen Punkt gehen, die Entfernungspauschale.

Was ist die Entfernungspauschale?

Zunächst müsste man wissen, was die Entfernungspauschale überhaupt ist. Habt ihr dieses Wissen, dann seid ihr schon besser informiert als 95% der Menschen, die das Thema in den sozialen Netzen derzeit diskutieren.

Ziel der Erhöhung der Entfernungspauschale ist es, dass Pendler, die “auf das Auto angewiesen sind, um zur Arbeit zu kommen” nicht so stark vom CO2-Preis betroffen sein sollen, wie diejenigen, die “aus Spaß” mit dem Auto zum Beispiel in die Stadt fahren.

So kann man einen Teil des Fahrtweges von den Steuern absetzen lassen, also vom versteuerten Einkommen abziehen, wodurch man weniger Steuern zahlt, also spart. Derzeit lassen sich 30 Cent pro Kilometer absetzen, geht es nach dem Klimapaket der Koalition, sollen es künftig 35 Cent sein.

Keine ökologische Lenkungswirkung

Die Pendlerpauschale bekommt man immer, egal ob man mit dem Auto, dem ÖPNV, dem Fahrrad oder sogar zu Fuß zur Arbeit kommt. Erstmal muss niemand vom CO2-Preis entlastet werden, weil der CO2-Preis niemanden wirklich belastet – zehn Euro pro Tonne sind nämlich einfach ein Witz.

Doch auch dadurch, dass sie unabhängig vom Verkehrsmittel ist, hat die Entfernungspauschale keinerlei ökologische Lenkungswirkung – sie symbolisiert jedoch eine fatale Aussage. Sie drückt aus, dass eine Autofahrt zur Arbeit okay sei, wenn es nicht anders ginge, schließlich ist die steuerliche Belastung bei solchen Fahrten geringer als bei Freizeitfahrten.

Hier liegt meiner Meinung nach jedoch der große Fehler. Menschen, die mit dem Auto zur Arbeit fahren, soll man zur Kasse bitten, und zwar so, dass es wehtut und jene Menschen ins Schwitzen bringt, wenn sie am Ende ihres Monats aufs Konto blicken.

Das Klima diskutiert nicht, ob ihr das Auto braucht, um zur Arbeit zu kommen oder für die Fahrt in die Stadt. Und das sollte die Politik auch nicht, wenn sie ihre Glaubwürdigkeit behalten möchte.

Es macht in der Realität nun mal keinen Unterschied für das Klima, aus welchem Grund mit dem Auto gefahren wird, die Treibhauswirkung der Gase ist nicht vom Zweck der Fahrt abhängig – eine Entfernungspauschale, die sich nach wissenschaftlichen Erkenntnissen ausrichten möchte, sollte es demnach auch nicht sein.

Keinerlei Anreize

Die Pendlerpauschale sollte für alle, die mit dem Auto zur Arbeit fahren, gestrichen werden. Wäre das der Fall, ergäbe sich nämlich tatsächlich eine Lenkungswirkung, zumindest eine kleine, denn dann würde man Geld dadurch sparen, dass man vom CO2-Preis erlassen wird, wenn man klimafreundlich zur Arbeit fährt, mit dem Auto aber die volle steuerliche Belastung tragen.

Um diese Lenkungswirkung zu erreichen, müsste man natürlich auch den CO2-Preis erhöhen, auf deutlich über 100 Euro, denn selbst die volle finanzielle Belastung wäre aktuell kaum ein Anreiz, nicht mit dem Auto zu fahren.

Oder aber wir streichen die Entfernungspauschale komplett und nutzen die Einnahmen lieber für einen kostenlosen öffentlichen Nahverkehr in Kombination mit Fahrverboten und einem höheren Benzinpreis.

Was ich nun den Menschen rate, die ich damit “diskreditiere”, also denen ich eine höhere Belastung zumuten möchte? Erst einmal gar nichts. Ich sehe mich in diesem Blog als der Vertreter der Natur, denn die Natur hat keine Stimme – bzw. sie hat eine und wir wollen nicht, dass sie sie erhebt. Und da die Natur nicht diskutiert, diskutiere auch ich darüber nicht.

Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass es auch auf dem Land möglich ist, ohne Auto zur Arbeit zu kommen und wenn nicht, dann muss man halt umziehen oder seinen Job kündigen.

Und selbst wenn man das Auto wirklich braucht, dann ist es nun mal Pech. Um aus der Nummer ohne Opfer rauszukommen, haben wir zu lange gepennt. Das Überleben der Allgemeinheit ist hier der Existenz einzelner überzuordnen.

Um acht Uhr aufstehen ist eben Luxus und kein Menschenrecht, auch wenn es schön ist. Lieber verlieren jetzt einige ihren Job und im schlimmsten Fall vielleicht ihre Existenz als in 50 oder 100 Jahren Millionen von Menschen. Für Luxus darf man auch ruhig zahlen und wer (vielleicht zurecht) meint, er bräuchte das Auto wirklich, um zur Arbeit zu kommen, muss dann eben woanders sparen. So ist das Leben.

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