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Thursday, April 9, 2020

J1407b: Der Herr der Ringe

2.Dezember, J1407b

Noch vor 30 Jahren galt die Frage nach Planeten, die andere Sterne umkreisen als philosophisch, fast esoterisch. Man hielt unser Sonnensystem für etwas Besonderes, für den einzigen Ort im ganzen Universum, an dem es Planeten, flüssiges Wasser und Leben gibt. Doch seitdem 1992 die ersten Exoplaneten entdeckt wurden, haben wir Tausende weitere in der gesamten Galaxis gefunden.

Und heute wissen wir: Planeten sind überall. Einige davon sind verrückter und seltsamer, als man es sich je erträumen ließ: Riesige Gesteinsplaneten von hunderte Kilometer tiefen Ozeanen bedeckt, Gasplaneten mit vielen Jupitermassen, die einen heißen Schweif aus Gasen hinter sich herziehen, Planeten um Pulsare und Neutronensterne, einsame Wanderer, die ohne Stern durch die Galaxis ziehen und vieles mehr haben Wissenschaftler entdeckt.

Doch in Wahrheit sind sie auf der Suche nach dem heiligen Gral der Astronomie: Einer zweiten Erde. Zur Weihnachtszeit habe ich einen Adventskalender erstellt, der 24 dieser fremden Welten vorstellt. Viel Spaß und eine besinnliche Zeit.

Name: J1407b

Zentralstern: J1407 (vollständiger Name: 1SWASP J140747.93-394542.6)

Entfernung zur Erde: 420 Lichtjahre

Masse: 30 – 130 Saturnmassen

Orbit um Zentralstern: ca. 900 Erdtage

Besonderheiten: Riesiges Ringsystem

Super-Saturn

Seid ihr auch begeistert vom Ringsystem des Saturns? Es gehört sicher zu den schönsten Phänomenen im Sonnensystem und ich kann jedem nur empfehlen, sich den Planeten mal genauer im Teleskop anzusehen. Wenn die Saturnringe so groß wären wie das Ringsystem von J1407b, wäre ein Teleskop jedoch gar nicht nötig.

J1407b ist nämlich ein regelrechter Super-Saturn, seine Masse könnte die des Saturn um das 130-fache übertreffen. Aufgrund dieser enormen Ausmaße vermutete man am Anfang schon, es könne sich womöglich um einen Braunen Zwerg handeln, dies wurde jedoch weitgehend widerlegt.

Riesige Ringe

Noch gigantischer als die Ausmaße von J1407b ist nur die Größe seines Ringsystems. Planetenringe sind weit verbreitet, im Sonnensystem haben alle vier Gasplaneten mehr oder weniger ausgeprägte Ringe. Lange wusste man nicht genau, woraus diese bestehen, einige stellten sich einfach riesige Ringe aus Gestein oder Eis vor, auf denen man theoretisch landen könnte. Erst James Clerk Maxwell zeigte mathematisch, dass solch massive Ringe nicht existieren können, sie müssen also aus vielen kleinen einzelnen Objekten bestehen.

Die Saturnringe sind schon wirklich riesig, sie haben an einigen Stellen einen Durchmesser von fast einer Millionen Kilometer. Doch gegen die Ringe von J1407b sind selbst diese Winzlinge. Dieses Ringsystem besteht aus 30 Ringen und ist fast 200-mal größer als das Ringsystem des Saturns.

Es erstreckt sich an einigen Stellen über 120 Millionen Kilometer, das entspricht etwa der 300-fachen Distanz zwischen Erde und Mond und reicht schon fast an die Distanz zwischen Erde und Sonne heran. Daher ist es auch so leicht zu entdecken: Wenn J1407b vor seinem Stern herzieht, verdeckt sein Ringsystem das Licht 56 Tage.

Monde bei der Entstehung

J1407 ist noch ein sehr junger Stern, er ist erst etwa 16 Millionen Jahre alt. Das bedeutet, dass es um ihn noch eine protoplanetare Scheibe gibt, in der gerade Planeten entstehen. Und so wie in einer Scheibe um den Stern Planeten entstehen, so könnten in der Scheibe um J1407b Monde entstehen. Man vermutet, dass die Scheibe insgesamt etwa die 100-fache Masse des Erdmondes hat. Einzelne Monde könnten so groß wie die ganze Erde sein und mehrere Jahre für einen Umlauf um J1407b benötigen.

Die Aussicht von einem solchen Mond wäre sicher atemberaubend, vermutlich gibt es aber leider niemanden, der sie bestaunen kann, denn J1407b umkreist seinen sonnenähnlichen Stern einmal in 900 Tagen und ist damit zu kalt für flüssiges Wasser und somit für Leben, wie wir es kennen. Hätte Saturn solche Ringe, wären sie am Himmel heller als der Vollmond mit bloßem Auge auch am Tag zu sehen, in etwa so.

Vielleicht kein Einzelfall

J1407b ist derzeit der einzige Exoplanet mit einem bestätigten Ringsystem, doch es könnte sein, dass sowas häufiger vorkommt, vor allem um junge Planeten. Vielleicht haben die meisten Gasplaneten solche Ringe, bevor ihr Material zu größeren Monden verklumpt. Ein solcher Super-Saturn wird übrigens auch als mögliche Erklärung für die rätselhaften Helligkeitsschwankungen um den “Alien-Stern” KIC 8462852, auch Tabbys Stern genannt, eingeführt. Doch ob dies tatsächlich so ist, ob J1407b von Monden umkreist wird und ob solche gigantischen Ringsysteme häufiger vorkommen, das können uns nur weitere Beobachtungen zeigen, auch an J1407b.

J1407b
Exomonde mit großer Masse könnten äußerst lebensfreundlich sein.
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