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Monday, August 10, 2020

Amazonas-Brände: Kein Planet der Affen

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Der Amazonas brennt. Europa schaut fassungslos zu. Und Brasiliens faschistischer Präsident Bolsonaro schüttet im wahrsten Sinne des Öl ins Feuer. Die Welt hat schon größere Brände erlebt, viel größere. Und dennoch ist es das ökologische Finale, welches sich derzeit in Brasilien abspielt. Denn es markiert womöglich eine Zeitenwende – in der sich die Klimakrise nicht mehr aufhalten lässt.

Wie entstehen die Brände?

Tatsächlich sind die Brände keine direkte Ursache der Klimakrise, sie sind vor allem durch die enorme Abholzung entstanden. Jahre lang ging es hier bergauf, von 1980 bis 2017 hat sich die abgeholzte Fläche um zwei Drittel verringert. Zu dieser Zeit waren solche Brände noch an der Tagesordnung, der Amazonas brannte lichterloh.

Doch seitdem der faschistische Präsident Bolsonaro in Brasilien an der Macht ist, werden Betriebe nicht nur aktiv ermutigt, den Amazonas für Palmölplantagen und Weiden für Vieh abzuholzen, es werden auch seitens der Regierung gezielt Brände gelegt, um die brasilianischen Ureinwohner einzuschüchtern und ihnen die Lebensgrundlage zu rauben, die seit Monaten erbitterten Widerstand gegen die wieder aufflammende Diskriminierung gegen sie leisten.

Ein geschlossenes Ökosystem

Eigentlich dürfte es den Amazonas gar nicht geben, denn die Region ist viel zu trocken für einen Regenwald. Tatsächlich können dort nur Bäume wachsen, weil schon welche da sind. Der tatsächliche Niederschlag aus der Atmosphäre macht nur 50% des Niederschlages im Amazonas-Becken aus, viel zu wenig für Regenwald.

Doch der Regenwald selber speichert riesige Mengen an Wasser, über die Blätter der Pflanzen verdunsten sie und regnen über der Region wieder aus – nur durch dieses instabile System kann der Amazonas überhaupt existieren. Der Wald liefert somit die Grundlage für seine eigene Existenz. Ein kleiner Eingriff genügt hier, um das System zum Kippen zu bringen.

Öl ins Feuer gießen

Ein kleiner Eingriff, etwa wie 73.000 Brände, von denen der Amazonas heimgesucht wird. Nachdem an einer Stelle alle Bäume abgeholzt sind wird der Boden angezündet, damit verbrennt der Boden unterirdisch und wird zu freier Fläche.

Doch bevor sich die Region habilitieren kann, siedeln sich weniger anspruchsvolle Gräser dort an und machen den Boden für Bäume unbrauchbar, da sie die Nährstoffe des Bodens beanspruchen. Sogenannte Generalisten setzen sich durch, also Lebewesen, die extrem anpassungsfähig sind.

Die Artenvielfalt nimmt also drastisch ab, das führt dazu, dass Ökosysteme noch anfälliger für Plagen und Pandemien werden. In Zukunft könnte der Amazonas also zur größten Wiese der Welt werden – ein ökologisches Desaster.

Die Regierung zündelt

Brasiliens Präsident Bolsonaro scheint das wohl wenig zu beeindrucken. Bolsonaro ist nicht nur rechtsradikal, er ist ein Faschist. Von ihm kommen Zitate wie

„Es wird eine in Brasilien niemals gesehene Säuberung geben.“

„Ich würde dich nie vergewaltigen, weil du es nicht wert bist.“

„Wenn ich sehe, wie sich zwei Männer auf der Straße küssen, werde ich sie schlagen.“

Wer Nerven und ne Kotztüte hat, kann hier eindeutig sehen, welcher Ideologie sich Bolsonaro verschrieben hat. Jedenfalls kommen die Brände Bolsonaro mehr als gelegen.

So muss er schließlich keinen finanziellen Aufwand betreiben, um Flächen für Vieh zu gewinnen und Naturvölker zu vertreiben. Das Problem an diesen Brandrodungen ist, dass Bäume fast nur aus Kohlenstoff bestehen, der bei der Verbrennung in Kohlendioxid umgewandelt wird.

Ökologisches Endspiel

Der Amazonas ist für ein Fünftel des globalen Sauerstoffs in der Atmosphäre verantwortlich, insgesamt macht der Stoff heute fast 21% der Atmosphäre aus und ist für Menschen unabdingbar. Eine geringere Sauerstoffkonzentration führt zum Aussterben zahlreicher Arten.

Wir stoßen durch die Brände also nicht nur enorme Menge Kohlendioxid aus, wir zerstören auch noch Pflanzen, die dieses Kohlendioxid wieder binden und zu Sauerstoff machen könnten. Dieses ökologische Netz sorgte dafür, dass sich das Klima bisher nach jeder Katastrophe wieder regenerierte. Dieses stabilisierende Netz zerstören wir jetzt jedoch.

Diese aktuellen Brände sind also keineswegs die größten Brände, die wir je gesehen haben und dennoch könnten sie eine neue Ära einläuten. Sie könnten eine Ära einläuten, in der Staats- und Regierungschefs bei sich keine Verantwortung für Umweltschutz mehr sehen, eine Ära, in der das Leugnen der menschengemachten Klimakrise endgültig salonfähig ist, eine Ära, in der über die Klimakrise wieder als Meinungsthema diskutiert wird und in Brasilien eine Ära, die verdächtig an die verheerenden Brände in den 1980er Jahren erinnern.

Wir stehen kurz vor dem Kipppunkt

Sollte der Amazonas kollabieren, dann fällt ein Fünftel des Sauerstoffs, den wir atmen, und der größte Kohlenstoffspeicher der Welt plötzlich weg. Ist der sich selbst erhaltende Kreislauf einmal zerstört, dauert es nur wenige Jahre bis sich dies in der Atmosphäre niederschlägt.

Eine Änderung des Sauerstoffpegels in dieser Dimension führte schon zu Massenaussterben, bei denen Arten einfach erstickt sind, etwa Rieseninsekten, die über die Haut atmeten. Fällt der Amazonas, so fällt das Weltklima – und zwar praktisch für immer. Doch die Wirkung dieses Ereignisses geht noch darüber hinaus. Anscheinend ist es auch in Europa mittlerweile salonfähig, Geschäfte mit solchen Verbrechern zu machen.

Denn das Mercosur-Abkommen zwischen der Europäischen Union und den Mercosur-Staaten, darunter auch Brasilien, enthält praktisch keine ökologische Forderungen. So werdet ihr weiter mit euren Steuern das Ersticken der Erde, den Völkermord an den Ureinwohnern und eine faschistische Regierung unterstützen.

Sollte es so weitergehen mit der Rodung des Amazonas, dann wird sich zunächst das Brachland weiter ausbreiten. Irgendwann werden sich dann Gräser ausbreiten und der Amazonas wird zur Wiese. Sollte sich die Klimakatastrophe weiter fortsetzen und der Meeresspiegel ansteigen, dann wird irgendwann Atlantikwasser in das Amazonasbecken strömen und es wird zur größten Lagune der Welt werden. Dann wird ein Zeugnis menschlichen Versagens sogar aus dem All zu sehen sein.

Was kann ich tun?

Man kann jedoch mehr tun als nur für den Amazonas beten wie es derzeit in den sozialen Medien heißt. Lasst die Finger von brasilianischem Fleisch, Nahrung für die Tiere wird meist auf gerodeter Amazonas-Fläche angebaut. Genauso verzichtet werden muss auf alle Produkte, die Palmöl enthalten, denn auch für Palmölplantagen wird viel Waldfläche gerodet.

Letztlich dürfen wir hier in Europa natürlich auch nicht hochnäsig sein, Stichwort Hambacher Forst. Daher gilt es hier natürlich, RWE und alle Mitverantwortlichen mit aller Kraft zu bekämpfen und natürlich diejenigen abzuwählen, die Geschäfte mit Verbrechern wir Bolsonaro machen.

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