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Saturday, June 6, 2020

Erstmals Gedankenmanipulation gelungen

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Gedankenmanipulation, Erinnerungen einfach löschen oder Erinnerungen einfügen, die es nie gegeben hat – es klingt wie Science Fiction. Doch genau das ist Forschern nun erstmals in kleinem Umfang gelungen. Könnte dies eines Tages auch bei Menschen funktionieren und was brächte das mit sich?

Gedanken einfach auslöschen?

Ein Forscher hat eine Methode entwickelt, unliebsame Erinnerungen für immer aus dem Gehirn von Menschen löschen zu können und so nehmen zwei Verliebte, die miteinander kein Glück finden können, den Dienst in Anspruch.

Doch als sie im Tiefschlaf während des Löschens ihre gesamte Geschichte noch einmal durchleben, erkennen sie, wie wertvoll die Erinnerungen eigentlich sind – da ist es allerdings schon zu spät.

Das ist natürlich nicht real, es ist die Handlung des Dramas Vergiss mein nicht!. Doch technologisch sind wir davon vermutlich gar nicht mehr so weit entfernt, denn erstmals haben es Forscher geschafft, Erinnerungen im Hirn zu lokalisieren und mit einem Lasersystem gezielt auszulöschen.

Aber nicht nur das, sie konnten im Nachhinein sogar gezielt wieder angeschaltet werden – quasi per Knopfdruck und mit Fernbedienung. Das ist schon eine sehr faszinierende Vorstellung.

Gedankenmanipulation bei Säugetieren

Die Gedankenmanipulation fand natürlich nicht bei Menschen statt, dafür aber bei Mäusen. Ihre Biologie ist der unseren überraschend ähnlich und zudem handelt es sich um Säugetiere. Das macht die Gedankenmanipulation bei Mäusen schon zu einem gigantischen Schritt für die Biologie.

Aber es zeigt auch, dass Gedanken, etwas Materielles sind. Lange hielt man den menschlichen Geist für etwas Abstraktes oder gar Göttliches, man erklärte sie durch eine Seele. Doch seit einigen Jahren können wir Gedanken im Gehirn lokalisieren, sie haben einen Ort und sind im Grunde genommen nichts anderes als eine spezielle Anordnung an Neuronen.

Von dieser Erkenntnis und der Fähigkeit, die Gedanken im Gehirn zu lokalisieren, ist es nicht mehr weit bis zur Fähigkeit der Gedankenmanipulation.

Wie funktioniert Gedankenmanipulation?

Diese Fähigkeit ist die Basis der Technologie, mit der die Gedankenmanipulation nun gelang, so leuchten die Gehirnzellen auf, wenn sie aktiv werden, wodurch sich feststellen lässt, welche Erinnerungen in welchen Hirnregionen sitzen.

Ermöglicht wird die Gedankenmanipulation durch erhebliche Fortschritte in der Physik und der Biologie der letzten Jahre. Der Mechanismus funktioniert über ein Laser, der von einem Computerprogramm gesteuert wird, welches mit Holographie arbeitet.

Dieses holographische Programm fokussiert den Laser auf eine Gruppe von Neuronen, die dadurch samt aller in ihnen steckenden Erinnerungen deaktiviert werden.

Dank des gebündelten Lasers beschädigt die Methode keine umliegenden Neuronen, sondern nur die wirklich fokussierten. Andernfalls könnten auch andere Teile des Gehirns deaktiviert werden, was grausame Folgen haben könnte.

Eine vielversprechende Technologie

Habt ihr vielleicht eine Erinnerung, die ihr unbedingt loswerden wollt, die euch an nichts anderes mehr denken lässt oder traumatisiert hat? Dann träumt ihr sicherlich davon, die Gedankenmanipulation auch auf Menschen ausweiten zu können.

Perspektivisch ist das sogar möglich, in einigen Jahren oder Jahrzehnten könnte es tatsächlich Dienstleister wie in “Vergiss mein nicht!” geben. Doch bevor dies geschieht, müssen noch einige Hürden überwunden werden.

Derzeit muss für das Verfahren zum Beispiel die Schädeldecke geöffnet werden, ein sehr schädliches und riskantes Unterfangen – das wird wohl kaum jemand freiwillig machen.

Zudem ist das menschliche Gehirn deutlich größer als das einer Maus, das bedeutet einige Neuronen sind deutlich weiter vom Laser entfernt. Über diese Distanzen würde der Laser vermutlich streuen und das genaue Zielen wäre nicht mehr möglich. Daher könnte man Neuronen in den inneren Bereichen des Gehirns wohl nicht manipulieren – noch nicht.

Radikal andere Gesellschaft

Gedächtnismanipulation katapultiert die Neurobiologie in ein neues Zeitalter, diese Technik ist ganz klar bahnbrechend. Doch es gibt auch noch ethische Hürden zu überwinden, bis man diese Technologie beim Menschen anwenden kann.

Eine Gesellschaft, in der jeder Gedanken einfach löschen kann, wäre eine radikal andere. Man müsste Ereignisse nicht mehr verarbeiten, sondern könnte sie einfach löschen – das könnte eine ganz andere Weltanschauung hervorrufen und auch unseren Stil zu leben verändern, vielleicht nicht nur positiv.

Noch schwieriger wird es, wenn man überlegt, ob die Technik vielleicht auch von schlechten Menschen zwangsweise angewandt werden könnte, um unliebsame Gedanken aus dem Kopf der Opfer zu entfernen. Oder wenn es sogar gelingt, Gedanken einzupflanzen, die sich nie ereignet haben.

Wenn plötzlich gedanklich gewisse Lebensabschnitte fehlen, könnte das auch sehr verwirrend sein, etwa wenn andere einen darauf ansprechen oder man Relikte dieser Zeit findet – es könnte sehr verstörend sein, herauszufinden, dass man seine Gedanken gelöscht hat.

All diese Fragen liegen natürlich noch in weiter Ferne, aber man sollte sie klären, bevor es soweit ist, denn wie wir alle wissen, geht sowas oft schneller als man denkt. Vor der Anwendung bei Menschen wird es allerdings noch weitere Laborversuche geben, denn die Langzeitfolgen sind noch komplett unbekannt bei Gedankenmanipulation.

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2 Comments

  • Marius Eversmann
    Marius Eversmann

    Hallo Jason,

    ein sehr interessanter Artikel. Wie immer verständlich geschrieben.
    Aber eine Sache habe ich noch nicht ganz kapiert: werden die Erinnerungen komplett gelöscht oder kann man sie “an und ausschalten”? Also “wegmachen” wenn man sie nicht braucht, und wiederholen, wenn man sie dann doch nutzen möchte?

    LG aus Leverkusen
    Marius

    Antworten
    • Jason vJ

      Man kann sie tatsächlich an- und ausschalten. Die Neuronen werden lediglich deaktiviert, nicht zerstört, sodass man sie wieder herstellen kann.

      Antworten

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