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Friday, April 3, 2020

Proxima Centauri c?

Gibt es einen Proxima Centauri c? Mit Proxima Centauri als Nachbarstern haben wir großes Glück, denn er ist auf unterschiedlichsten Ebenen ein sehr interessanter Stern, so ist er etwa ein aktiver Flarestern, der regelmäßig riesige Protuberanzen erzeugt, er wird von einem möglicherweise erdähnlichen Planeten umkreist und ist Teil eines Systems aus gleich drei Sternen. Nun haben Forscher womöglich einen zweiten Planeten um Proxima Centauri gefunden, Proxima Centauri c, er könnte zur Klasse der sogenannten Supererden gehören.

Planeten, Staubgürtel und Flares

Schon lange spekuliert man über Dinge, die unseren nächsten Stern umkreisen. 2017 vermutete man etwa einen Asteroidengürtel in großer Entfernung zu Proxima Centauri, ähnlich dem Kuipergürtel um die Sonne, doch tatsächlich war es lediglich einer der zahlreichen Flares des Sterns. Doch direkt nach der Entdeckung des mutmaßlich erdähnlichen Planeten Proxima Centauri b machte man sich wieder auf die Suche. Noch ist es zwar nicht endgültig bestätigt, doch womöglich ist man fündig geworden.

Eisige Supererde

Proxima Centauri c gehört zu den Supererden, doch von dem Namen sollte man sich nicht täuschen lassen. “Supererde” bezieht sich nämlich lediglich auf die Masse und die Zusammensetzung, in die Kategorie fallen alle Gesteinsplaneten mit einer deutlich größeren Masse als die Erde. Und die hat Proxima Centauri c, etwa 5,8 Erdmassen bringt er auf die Waage. Das muss jedoch keineswegs bedeuten, dass sie auch bewohnbar sind, Supererden können zwar auch bewohnbare Welten sein, sie könnten jedoch auch von einem globalen tiefen Ozean bedeckt, Wüstenplaneten oder gefrorene Welten sein.

Genau das ist Proxima Centauri c. Der vermutete Planet kreist viel weiter außen um Proxima Centauri als der erste entdeckte Planet. Daher ist er anders als dieser auch zu kalt für flüssiges Wasser und somit für Leben, wie wir es kennen, die Temperatur auf der Oberfläche liegt bei etwa -233°C. Doch das muss nichts bedeuten, unter Umständen können auch Himmelskörper außerhalb der habitablen Zone bewohnbar sein, wie etwa der Jupitermond Europa.

Proxima Centauri c widerspricht Lehrbuchmeinung

Sollte es Proxima Centauri c geben, würde er dem gängigen Modell der Entstehung von Planeten widersprechen. Danach gibt es in jedem Sonnensystem eine sogenannte Schneelinie. Jenseits der Schneelinie können leicht flüchtige Gase in fester Form vorliegen, somit ist dort mehr Material für die Planetenbildung vorhanden und die Planeten wachsen viel schneller – so schnell, dass die Planeten die umliegenden Gase anziehen und Gasplaneten entstehen. Jenseits der Schneelinie sollte es in der Regel also keine erdähnlichen Planeten oder gar Supererden geben.

Proxima Centauri c befindet sich, sofern er existiert, mit einer Entfernung von 1,5 Astronomischen Einheiten jedoch weit jenseits der Schneelinie. Entweder muss er also in geringerer Nähe zu Proxima Centauri entstanden und dann nach außen gewandert oder auf eine andere Weise entstanden sein. In diesem Fall wäre das Standardmodell der Planetenbildung unvollständig.

Bestätigung durch Gaia-Satelliten

Womöglich stellt sich die Frage jedoch gar nicht, weil Proxima Centauri c gar nicht existiert. Noch ist er lediglich ein unbestätigter Exoplaneten-Kandidat wie tausende andere auch. Doch aufgrund der Nähe zur Erde stehen die Chancen recht gut, dass wir in naher Zukunft erfahren werden, ob Proxima Centauri c existiert.

Eine Möglichkeit, dies herauszufinden wäre der Astrometriesatellit Gaia. Er ist der Nachfolger von Hipparcos über den hier im Rahmen von Sternkatalogen etwas geschrieben habe. Hipparcos vermaß Sterne mit der Genauigkeit des scheinbaren Durchmessers eines Golfballs aus 5.000 Kilometern Entfernung, Gaia ist noch einmal 200-mal genauer.

Das ist so genau, dass Gaia das Taumeln direkt messen kann, in das ein potentieller Exoplanet Proxima Centauri versetzen würde. Gelänge, wäre es damit möglich auch die Masse von Proxima Centauri c zu bestimmen, womit man auch seine tatsächliche Zusammensetzung genauer bestimmen könnte, so wäre etwa auch eine Art Mini-Neptun möglich, der von einer dicken Atmosphäre umgeben ist. Und wenn wir Proxima Centauri c entdeckt haben, können wir uns gleich auf sie Suche nach Proxima Centauri d, e und f machen. Hoffentlich werden wir eines Tages mal persönlich mit einer Raumsonde dort vorbeischauen. Und dann ist ein mögliches Forschungsobjekt auch Proxima Centauri c.

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