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Thursday, April 9, 2020

Die 5 besten Alien-Spekulationen

Alien-Spekulationen amüsieren mich häufig. Ich rede hier nicht von Erzählungen von Alien-Skeletten, UFOs und Entführungen, die langweilen mich nur. Ich spreche von realen kosmischen Phänomenen, die von einigen Menschen und sogar Wissenschaftlern als Zeichen außerirdischen Lebens gedeutet wurden. Ich finde, wir sollten uns den Spaß gönnen.

1.Kanäle und Pflanzen auf dem Mars?

Spekulationen bezüglich außerirdische Lebens sind alt, schon im 19. Jahrhundert gab es sie. 1877 fand der italienische Astronom Giovanni Schiaparelli während er den Mars beobachtete dünne Linien, die sogenannte Marskanäle. Man interpretierte sie als Bauwerke einer sterbenden Spezies, die ihre Zivilisation aufrecht erhalten will, indem sie Schmelzwasser von den Polen in Richtung Äquator leitet. Zudem vermutete man breite Vegetationsgürtel, eine dicke Atmosphäre und ausgeprägte Jahreszeiten.

Man muss verstehen, dass die Menschen damals noch ganz anders auf die Welt blickten, die Wissenschaft war von religiösen Ansätzen durchsetzt. Und wieso sollte Gott einen Planeten schaffen, der von niemandem bewohnt wird? Daher stellte man sich im wesentlichen vor, dass alle Himmelskörper irgendwie bewohnt sind, Wilhelm Herschel sah selbst die Sonne als eine bewohnte Welt an.

Wir reden hier nicht nur vom Mittelalter und der Renaissance. Bis man mit den Mariner-Sonden in den 60ern und 70ern die erdähnlichen Planeten, vor allem den Mars, genauer erforschte, hielt man die Existenz von Moosen und Flechten auf dem Marsboden für denkbar. Und bis weit in die 60er hinein schloss man komplexeres Leben auf dem Mars nicht aus. Heute wissen wir, dass, wenn es Leben auf dem Mars gibt, es sich lediglich um Mikroben handelt, wir wissen, wie viele Planeten es gibt, aber wir wissen auch, dass es sehr unwahrscheinlich ist, dass wir irgendwo eine andere Zivilisation finden.

Genauso wissen wir, dass die Marskanäle nur zu sehr kleinem Teil tatsächliche geologische Phänomene sind, zum Großteil waren es einfach optische Täuschungen und erst recht keine künstlichen Objekte. Die einzigen künstlichen Objekte auf dem Mars kommen von uns.

2.Mond oder Raumstation?

Bleiben wir beim Mars oder besser gesagt bei seinem größeren Mond Phobos. Er nähert sich dem Mars etwa fünf Zentimeter pro Jahr an, in einigen Millionen Jahren wird er also von seinem Planeten zerrissen werden. Als man das feststellte, wusste man bereits, dass Satelliten im Erdorbit sich der Erde nähern, weil sie an den wenigen verbleibenden Luftmolekülen reiben und dadurch an Bahnenergie verlieren. Daher dachte man sich, dass es bei Phobos ähnlich sein könnte. Man berechnete jedoch, dass dieser Effekt bei der geschätzten Masse von Phobos nicht genügen würde, um den Höhenverlust zu erklären – es sei denn, Phobos wäre hohl.

Das regte natürlich zu Spekulationen an, denn in der Natur kommen keine hohlen Objekte vor. War Phobos also das Relikt der Raumstation einer vergangenen technischen Zivilisation auf dem Mars? Das zog man offenbar ernsthaft in Erwägung, sogar US-Präsident Eisenhower wurde benachrichtigt. Doch in Wahrheit liegt der Höhenverlust an den Gezeitenkräften des Mars, Phobos befindet sich nämlich innerhalb der sogenannten Roche-Grenze. Mars zieht also deutlich stärker an der einen Seite als an der anderen, dadurch nähert sich Phobos dem Mars und verliert Bahnenergie. Weniger Bahnenergie führt zu einer noch tieferen Umlaufbahn und noch weniger Bahnenergie, usw..

Phobos ist somit keine Raumstation, auch wenn er es in Zukunft werden könnte, wenn wir uns zum Mars begeben. Und später flogen natürlich auch Raumsonden zu Phobos und zeigten, dass er eine kalte steinige Kartoffel ist. Phobos ist übrigens nicht der einzige Mond, der zu Spekulationen anregt. Der Saturnmond Pan etwa ist von einer Wulst umgeben, die ihn wie eine fliegende Untertasse aussehen lässt.

Der Wulst entstand jedoch durch die Partikel der dünnen Saturnringe, die aufgrund der zwar geringen, aber vorhandenen Schwerkraft auf den Mond niederrieselten.

3.Außerirdische Raumsonden?

Modernere Spekulationen betreffen häufig Objekte, die sich durch unser Sonnensystem bewegen und für Raumsonden außerirdischer Zivilisationen gehalten werden. Das populärste Beispiel dafür ist wohl der Komet 1I/ʻOumuamua. Er ist das erste zweifelsfrei nachgewiesene interstellare Objekt, also ein Komet, der nicht die Sonne umkreist, sondern aus einem anderen Sternsystem kommend das Sonnensystem lediglich passierte. Das alleine regte natürlich schon zu Spekulationen an.

Doch es ging noch weiter. Oumuamua hatte eine sehr seltsame Bahn: Er traf die Ekliptik, also die ebene der Planeten von oben zwischen Merkur und Sonne fast senkrecht und bewegte sich anschließend merklich schneller, als es durch die Gravitation der Sonne und der Planeten erklärbar ist. Und dann hat der Himmelskörper auch eine seltsame Form – lang wie eine Zigarre und flach.

Die Theorie war nun, dass Oumuamua ein Sonnensegel ist, denn dann könnte die Strahlung der Sonne Oumuamua zusätzlichen Schub verleihen. Die Form würde ebenfalls dazu passen, doch viel wahrscheinlicher ist es, dass bestimmte Stoffe auf der Oberfläche des Kometen verdampften als er sich der Sonne näherte und dadurch einen Schub verursachten ähnlich wie bei einer Rakete.

Ein weiterer Fall ist der kleine erdnahe Asteroid 1991 VG. Er ist nur etwa zehn bis zwanzig Meter groß. Man beobachtete jedoch starke Helligkeitsschwankungen auf der Oberfläche des Himmelskörpers, daher vermutete man einen künstlichen Ursprung – zunächst eine Raketenstufe einer Mondmission. Doch Simulationen schlossen das aus. Daher schlug der australische Astronom Duncan Steel vor, dass es sich um eine Raumsonde einer außerirdischen Zivilisation handelt. Doch wahrscheinlicher ist, dass es sich um einen Teil des Mondes handelt, das bei einer Kollision ins All geschleudert wurde und nun die Sonne auf einer erdnahen Bahn umkreist.

Um dieses Rätsel zu lösen, wird 2021 eine Raumsonde zu diesem kleinen Asteroiden fliegen, der NEA Scout – ironischer Weise ein Sonnensegel.

4.”Alien-Stern” KIC 88462852

Verlassen wir mal unser Sonnensystem, die nächste Spekulation betrifft einen anderen Stern, und zwar den Gelben Zwerg KIC 8462852, auch Tabbys Stern genannt. Ich habe hier mal etwas detaillierter über diesen Stern geschrieben, es geht darum, dass seine Helligkeit in sehr unregelmäßigen Zyklen sehr stark schwankt. Dafür gibt es verschiedene Erklärungen: Ein Exoplanet mit gigantischen Ringen, eine große Kollision im Orbit des Sterns oder große Mengen interstellaren Staubs. Doch das alles ist natürlich langweilig, wenn auch Aliens eine Option sein könnten.

Eine Theorie war lange eine sogenannte Dyson-Sphäre. Sie könnte die Energiequelle einer sogenannten Zivilisation Typ II sein. Das muss man vielleicht näher erläutern. 1964 entwickelte der russische Astronom Nikolai Kardaschow eine Skala, die außerirdische Zivilisationen nach ihrer Fähigkeit, Energie zu nutzen, einordnet. Er unterscheidet dabei zwischen drei Stufen:

Typ I: Planetare Zivilisation

Typ II: Stellare Zivilisation

Typ III: Galaktische Zivilisation

Sie funktioniert so: Eine Typ I-Zivilisation ist in der Lage, alle Ressourcen zu nutzen, die der Heimatplanet ihnen bietet, also in unserem Fall Windkraft, Wasserkraft, Solarenergie, Biomasse, etc. Eine Typ II-Zivilisation kann die gesamte Energie des Heimatsterns nutzen und eine Typ III-Zivilisation die Energie aller Sterne der Heimatgalaxie. Nun machte man sich natürlich auch Gedanken, wie man die Energie eines ganzen Sterns abzapfen kann. Und dabei kam der Physiker Freeman Dyson auf die Idee der Dyson-Sphäre, einer kugelförmigen Megastruktur um einen Stern, welche die Energie direkt sammelt.

Diese würde den Stern natürlich verdunkeln, jedoch müsste sie laut Energieerhaltungssatz große Mengen Infrarotstrahlung abgeben, was nicht beobachtet werden konnte. Ein künstlicher Ursprung ist also vorerst ausgeschlossen. Final geklärt ist die Ursache der Verdunklungen jedoch bis heute nicht, man vermutet allerdings große Mengen kosmischen Staubes

5.Das Wow!-Signal

Das Wow!-Signal ist wohl die bekannteste Möglichkeit eines Nachweises außerirdischer Intelligenz. Es ist ein Radiosignal, ähnlich wie es auch wir Menschen schon ins All versendet haben. Es ist wirklich spektakulär, das Signal stach aus dem üblichen Hintergrundrauschen des Universums um das 30-fache der üblichen Varianz heraus. Der Entdecker des Signals, der Astrophysiker Jerry Ehman, erkannte die Besonderheit und schrieb mit einem Stift “Wow!” daneben.

Bis heute ist es nicht sicher, woher das Wow!-Signal kam. Zunächst ist die Wahrscheinlichkeit tatsächlich sehr hoch, dass das Signal nicht aus unserem Sonnensystem kam, denn aufgrund der Tatsache, dass sich das Teleskop mit der Erdrotation bewegt, gibt es eine für interstellare Signale charakteristische Schablone, nach der die Intensität ab- und zunehmen sollte. Das Wow!-Signal entsprach dieser Schablone haargenau. Bis heute kann daher nicht ausgeschlossen werden, dass es der Kontaktversuch einer außerirdischen Zivilisation war. Es könnte allerdings auch ein Pulsar gewesen sein… Man weiß es einfach nicht.

Fazit

Wie können wir einordnen, wie realistisch eine solche Spekulation ist? Das ist letztlich keine Frage, die mit wissenschaftlichen Mitteln beantwortet werden kann. Eine Grundlage dafür bietet jedoch das sogenannte Sparsamkeitsprinzip. Ich erläutere es hier kurz.

Angenommen wir sehen auf der Straße ein wenig Müll liegen. Nun können wir nicht mit Sicherheit sagen, wo dieser Müll herkommt, wir waren ja schließlich nicht dabei. Man könnte also verschiedene Theorie aufstellen, von denen sich keine schlüssig zu 100% widerlegen ließe:

1.Irgendeine Umweltsau hat den Müll dorthin geworfen.

2.Außerirdische sind nachts auf die Erde gekommen und haben den Müll dort hinterlassen.

3.Gemäß Quantenmechanik hat sich der Müll dort als zeitlich begrenzte Energiefluktuation spontan gebildet.

4.Kleine magische Elfen haben den Müll dort hingezaubert.

Keine der Thesen lässt sich widerlegen, wir waren ja schließlich nicht dabei. Dennoch sind nicht alle gleich wahrscheinlich. Allgemein kann man sagen, dass die Möglichkeit am wahrscheinlichsten ist, die am wenigsten vorausgesetzte Annahmen benötigt, um zu funktionieren, also die sparsamste. Möglichkeit eins erfordert nur eine Annahme: Ein Mensch war unaufmerksam und hat den Müll weggeworfen. Möglichkeit zwei (drei, vier) jedoch erfordert viel mehr frei erfundene Annahmen: Die Existenz außerirdischer Lebewesen, ihre Entwicklung zu intelligenten Lebewesen, die die Raumfahrt beherrschen, die Tatsache, dass sie von der Erde wissen, ihr Interesse hierherzukommen, ihre Fähigkeit hierherzukommen, ihr Wille, Müll auf die Straße zu werfen, ihre Fähigkeit, sich vor uns Menschen zu verstecken, etc.

Und so ist es letztlich auch bei den meisten Alien-Spekulationen. Es ist durchaus möglich, dass Phobos hohl ist. Dafür müsste es jedoch einmal Leben auf dem Mars gegeben haben, es müsste intelligent gewesen sein, die Raumfahrt beherrscht haben und fähig sein, den Mond auszuhöhlen. Die Annahme der Gezeitenkräfte fordert jedoch keine einzige Annahme. Und daher ist es die wahrscheinlichere. Wir sollten uns etwas zurückhalten mit haltlosen Spekulationen. Denn wenn wir dann eines Tages wirklich ernsthafte Indizien auf außerirdisches Leben finden, wird es dann um so schöner. Und ich bin mir sicher, dass es so kommen wird.

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