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Sunday, March 29, 2020

Was war der Stern von Betlehem?

Der Stern von Betlehem ist ein fester Bestandteil der Geschichte, doch schon in Vergangenheit fragte man sich, um welches Phänomen es sich handeln könnte. Die Passage aus dem Matthäusevangelium gibt Raum für Vermutungen:

„Und der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das Kind war; dort blieb er stehen.“ So steht es im Matthäusevangelium geschrieben. Ein Stern kündete demnach von der Geburt eines neuen Königs in Judäa – und zeigte den Weisen aus dem Morgenland den Weg zur Krippe Jesu Christi.”

Es ist unwahrscheinlich (eigentlich unmöglich), dass diese Schilderung originalgetreu zutrifft, denn Himmelskörper halten nicht einfach so an. Doch man geht durchaus davon aus, dass es um das Jahr 0 tatsächlich einige mit bloßem Auge deutlich sichtbare Himmelsphänomene gab, die man als Stern von Betlehem deuten könnte.

Ein Komet von Betlehem?

Eine recht offensichtliche Möglichkeit wäre natürlich ein Komet. Kometen sind je nach Nähe zur Erde durchaus sehr hell und bewegen sich auch am Nachthimmel. Kometen sind kleine nur wenige Kilometer große Himmelskörper, die aus einer Mischung von Staub, Eis und Gestein bestehen. Kommen sie in Sonnennähe, werden Stoffe auf der sonnenzugewandten Seite gasförmig und reißen Materie mit sich. Dadurch entsteht eine Hülle um den Kometen, die, kommt der Komet der Sonne noch näher, durch den Sonnenwind zu einem langgezogenen Schweif verformt wird.

Dieses Phänomen macht Kometen zu einem der spektakulärsten Himmelsphänomene. Auch früher hatten Kometen eine große kulturelle Bedeutung, viele deuteten sie als Omen für ein bald geschehendes wichtiges Ereignis. Auch viele Künstler des Mittelalters stellten den Stern von Betlehem als Kometen dar. Daher liegt die Kometen-Theorie durchaus auf der Hand.

Die Heimat der Kometen ist der dunkle kalte Rand unseres Sonnensystems, viele Kometen benötigen viele Jahrzehnte oder Jahrhunderte um unsere Sonne einmal zu umkreisen. Dennoch gibt es einige Kometen, die im Abstand von einigen Jahrzehnten wiederkehren und somit vergangene nahe Begegnungen mit der Erde ausgerechnet werden können. Eine Möglichkeit ist etwa der Halleysche Komet. Er kehrt etwa alle 75 Jahre wieder, das nächste Mal um das Jahr 2061.

Berechnungen zufolge kam der Komet der Erde 11/12 v. Chr. besonders nah, so nah, dass er auf jeden Fall deutlich am Nachthimmel sichtbar war. Und doch gibt es einige Dinge, die gegen den Halleyschen Kometen als Stern von Betlehem sprechen. So überschneiden sich die Sichtbarkeit des Halleyschen Kometen und die Zeitspanne, auf die die Geburt Christi angesetzt wird nicht. Natürlich hätten es auch andere Kometen sein können, etwa ISON oder Hale Bopp. Doch zudem galten Kometen zu jener Zeit eher als Unglücksboten. Und stehengeblieben wäre der Komet natürlich auch nicht.

War der Stern von Betlehem eine Supernova?

Eine andere Theorie scheint dort etwas wahrscheinlicher. Der Stern von Betlehem könnte auch eine Supernova gewesen sein. Wenn sehr massereiche Sterne ihren Kernbrennstoff aufgebraucht haben, beenden sie ihr Dasein in einer gigantischen Explosion. Dabei leuchten sie für einige Tage oder Wochen viele Milliarden Mal heller als gewöhnlich, so hell wie eine ganze Galaxie.

Eine Supernova in unserer Nähe wäre auch von der Erde aus deutlich sichtbar und wäre zudem ein deutlich selteneres und spezielleres Ereignis als ein Komet. Daher ist eine Theorie, dass es sich bei dem Stern von Betlehem um eine Supernova im Sternbild Haar der Berenike gehandelt haben könnte.

In dieser Region des Nachthimmels sahen babylonische Astronomen schon seit langer Zeit das Symbol der Jungfrau Erua. Diesen Namen entschlüsselte man als “diejenige, welche den in Eden verheißenen Samen gebären wird”, also eine Anspielung auf die Geburt Christi. Wenn in diesem Sternbild also plötzlich ein neues helles Licht auftaucht, kann dies ganz eindeutig als Omen für die Geburt Christi gedeutet werden. Die Supernova, die nach Westen zieht hätte die Weisen direkt nach Betlehem geleitet und hätte dort vermutlich genau über einem Haus gestanden, bevor es morgen wurde und sie durch das Sonnenlicht verblasste.

Dies ist natürlich eine sehr schöne Hypothese, leider gibt es keinerlei Belege für eine solche Supernova, weder kann man irgendwelche Explosionsreste an der entsprechenden Stelle finden, noch gibt es historische Aufzeichnungen dazu. Das macht auch diese These eher unwahrscheinlich.

Planetares Überholmanöver

Die heute als am wahrscheinlichsten angesehene Theorie ist jedoch eine andere. Hin und wieder gibt es am Nachthimmel ein Phänomen namens Konjunktion. Das ist eine Art Überholmanöver, bei der ein Planet scheinbar an dem anderen vorbeizieht, wobei diese für einen kurzen Zeitpunkt extrem nahe beieinander stehen und dadurch besonders hell leuchten. Eine sogenannte große Konjunktion, also die Konjunktion der Planeten Jupiter und Saturn galt schon lange als Zeichen des Beginns eines neuen Zeitalters, sie kommt etwa alle 20 Jahre vor und war auch damals schon berechenbar.

Die große Konjunktion in den Jahren 6/7 v. Chr. deckt sich recht gut mit der Geburt Christi und könnte somit der Stern von Betlehem gewesen sein, wobei es jedoch auch hier Einwände gibt. So wurde in der Überlieferung bewusst das Wort “Stern” und nicht “Wandelstern” oder “Planet” genutzt, obwohl man auch in der damaligen Zeit durchaus zwischen Sternen und Planeten unterschied. Zudem wurde der Planet Saturn in der babylonischen Astronomie eher mit Syrien in Verbindung gebracht und nicht mit dem israelischen Volk.

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Noch lange nicht geklärt

Aufgrund der zahlreichen Einwände gilt keine der Theorien für den Stern von Betlehem als wissenschaftlich akzeptiert und vielleicht wird das auch für immer so bleiben. Und dennoch zeigt uns die Suche nach einer möglichen Erklärung zum einen, dass man die überlieferten Geschichten nicht wörtlich nehmen, sondern aus der damaligen Zeit heraus analysieren sollte.

Noch viel wichtiger ist aber, dass die Geschichte des Sterns von Betlehem zeigt, dass der Nachthimmel auch unsere Vorfahren schon in seinen Bann zog und zu Geschichten und Theorien anregte. Und gerade Weihnachten ist für uns alle eine schöne Zeit, es ihnen gleich zu tun. Wer weiß, vielleicht werden wir ihn ja eines Tages erklären können, den Stern von Betlehem.

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3 Comments

  • schnoerpsel
    schnoerpsel

    Hallo Jason!
    Ich hoffe, du und deine Familie hatten auch schöne Weihnachten!
    Ich lese deine Beiträge sehr gerne. Du schaffst es, mir die Inhalte leicht verständlich rüberzubringen. Eine Frage hätte ich nur: Meinst du mit dem zweiten Kometen in diesem Bericht eventuell den “Hale-Bopp”?

    Viele Grüße und ich freue mich auf mehr Artikel!

    Antworten
  • Jason
    Jason

    Ich würde mich über Rezensionen freuen.

    Antworten

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